„Like-Kultur“: Warum ‚Like‘ und ‚+1‘ auch „Daumen runter“ bedeuten können

•Juli 18, 2011 • Schreibe einen Kommentar

SEO. Suchmaschinenoptimierung. Drei kleine Buchstaben, die für Unternehmen, Firmen und jeden, der sich selbst vermarken möchte, inzwischen doch so wichtig sind. Ziel ist es, möglichst weit oben bei Google stehen zu dürfen. Sucht man bei selbiger Suchmaschine nach „blog“, bietet sich einem folgende Ergebnisse:

Dass der Wikipedia-Artikel zu „Blogs“ ganz oben steht, dürfte niemanden verwundern. Interessant ist, dass auf den Plätzen 2 und 3 Bloghoster stehen. blog.de gehört zum Hubert Burda Media-Konzern, WordPress ist Open Source. An 4. Stelle rangiert der erste Blog („Das Kopfschüttel-Blog“), dahinter erst die deutschen Blogcharts.
„Ja und, Aussage des Autors?“ mag man sich fragen. Die Frage ist berechtigt und mag durch folgende Zahlen beantwortet werden: Eine 2010 veröffentlichte Studie des „Online Advertising Networks“ Chikita gab an, wie viele nach der Suche mit Google auf das erste, zweite, dritte … Suchergebnis klickten. Hier die Zahlen der ersten fünf Treffer:

1. Treffer: 34%, 2. Treffer: 17%, 3. Treffer: 11%, 4. Treffer: 8%, 5. Treffer: 6%.

Nehmen wir nun eine fiktive Person an, die nach „blog“ sucht: Person A möchte seinen eigenen Blog aufziehen und sucht nach einem entsprechenden Dienst. Wikipedia rausgerechnet, da dies augenscheinlich momentan nicht interessant für Person A ist, wird er – keine Vorkenntnisse vorausgesetzt – auf blog.de klicken und dort sein Glück mit seinem Blog versuchen. WordPress ist, sollte blog.de ihn enttäuschen, möglicherweise die zweite Wahl, fraglich ist jedoch, ob er Blogger (den Google-eigenen Blogdienst) testen wird, ist dieser doch erst auf Platz 10 der Suchergebnisse.

Es macht in diesem Beispiel wenig Unterschied, wo sich Person A seinen Blog aufbaut (zumal hinter WordPress keine kommerzielle Ausrichtung steht). Dennoch mag es verdeutlichen, dass eine höhere Platzierung im Googleranking eine Steigerung der eigenen Seitenaufrufe zur Folge hat.

Die Macht der großen „Like“-Zahl

Eine weitere Möglichkeit, mehr User auf den Webauftritt zu locken, ist Facebook„Likes“ zu sammeln. Was für Dimensionen das annehmen kann, zeigte sich im Zuge des Kino.to-Busts. Natürlich berichtete auch spiegel-online darüber, allerdings dürfte dieser Artikel der meistgelesenste gewesen sein im Vergleich zu anderen Nachrichtenportalen. Selbstverständlich ist dafür auch die Vormachtsstellung des Spiegels im Netz verantwortlich – hinzu kommt aber die Tatsache, dass der Beitrag über 48.000 „Likes“ sammeln konnte. Noch deutlicher wird es am Beispiel des Postillon: Der Satire-Blog konnte innerhalb weniger Tage durch einen mit Spitzen versehen Artikel mit dem Titel „Razzia bei kino.to zwingt Millionen User, zwei Minuten nach neuer Streaming-Plattform zu suchen“ zur Schließung von kino.to über 53.000 Facebook-Empfehlungen generieren (wie netzwertig berichtete). Auf Anfrage von netzwertig lieferte der Betreiber des Postillons Stefan Sichermann Logfile-Daten, die weiteren Aufschluss geben:

Zwischen der Veröffentlichung am Donnerstag, 9. Juni, und Sonntag, 12. Juni 23:59 Uhr, verzeichnete der Beitrag 53.000 Facebook-Likes, 825 Retweets, 131 Flattr-Klicks sowie 205 Kommentare. Insgesamt wurde die Artikelseite in drei Tagen 416.595 Mal von 327.876 eindeutigen Besuchern geöffnet.

[…]

184.851 Aufrufe erfolgten von Facebook aus, 146.222 Unique Visitors gelangten von dem Social Network zum Beitrag auf der-postillon.com.

D.h. konkret: Die massive Traffic-Steigerung hat der Satireblog zu mehr als 40% Facebook zu verdanken, was enorm ist. Interessant wird es, wenn man den Gedanken von Neil Strauss vom Wall Street Journal aufgreift, den Martin Weiger von netzwertig weiterspinnt.

Das Verbreiten von Informationen über Social Networks mag sein Gutes haben. Seine Freunde und Bekannte sucht man sich dort aus, kennt sie, weiß, was sie für Präferenzen haben. Die von ihnen verbreiteten Links haben zusammengenommen eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie einem selbst ebenso zusagen bzw. ansprechen. Diese Art der Personalisierung hilft, Infos aus seinem Interessensgebiet leichter und schneller ausfindig zu machen. Damit das funktioniert, empfiehlt man selbst die Beiträge, um sie seinen Facebook-„Friends“ zugänglich zu machen, die wiederum das gleiche tun usw. usf.

Traffic = Geld

Die Schattenseite der Medaille (nach Strauss und Weigert): Diese „Like-Kultur“ führe zu Konformismus. Dies dürfte eher weniger der Fall des Postillons sein – will er doch gerade auf satirische Weise dem Mainstream einen Spiegel vorhalten. Eine bedeutendere Tragweite hat das für spiegel-online.de, zeit.de und Co. Da nach wie vor die Lösung nicht gefunden zu sein scheint, was vernünftige Bezahlmodelle für im Internet zur Verfügung gestellten Content anbelangt, ist es für diese Formate umso wichtiger, viele Visits auf ihren Websites vorweisen zu können. Diese (und Klicks auf geschaltete Ads auf den Seiten) gelten als Messgrößen, um den Preis für Werbung bestimmen zu können. Mehr Traffic bedeutet also mehr Werbeeinnahmen.

Die Gefahr besteht nun, dass so manche Onlineredaktion folgenden Analogieschluss zieht: „Beitrag X bekommt 48.000 „Likes“, das zieht eine Steigerung der Seitenaufrufe nach sich. Ziel ist es, nach Möglichkeit noch mehr Visitors anziehen zu können – also schreiben wir mehr Artikel, die in die gleiche Bahn wie Beitrag X schlagen.“ Problematisch an der Sache: Eine Facebook-Empfehlung kann man nur teilweise mit „Super Artikel, fundiert recherchiert, schlüssige Argumentation“ übersetzen. Vielmehr wird „geliked“, wenn die Meinung, die ein Beitrag vermittelt, mit der eigenen übereinstimmt (vgl. auch ein Beitrag über die Art von Artikeln, die besonders häufig „geflattred“ werden).

Google’s Anteil am Social-Network-Kuchen

Nun sind das Meinungen und Vermutungen, doch lässt sich das Gedankenspiel weiterführen. Seit kurzem ist Google+ in der Beta und versucht, dem blauen „Marktführer“ Konkurrenz zu machen. Was hat Google, was Facebook nicht hat? Eine Suchmaschine. Momentan die Suchmaschine schlechthin. In den USA verwenden knapp 65% den Suchschlitz auf der weißen Seite mit den buntenBuchstaben, in Europa sind es ca. 80%. Seit März ist auch das Pendant zum „Like“-Button auf Websites implementierbar – Googles „+1“. Ob die Anzahl an „+1“ die Suchergebnisse bei Google beeinflusst oder nicht, scheint nicht sicher. Der Googlewatchblog meint „Nein“, der Google-AdWords-Blog ist da schon schwammiger:

„The +1 button is the next step in our effort to find relevance through relationships on the web. We’re excited about using +1s to make search, and your search campaigns, more personal, relevant and compelling. And we hope you’re excited too!“

In jedem Fall wird es die personalisierte Suche beeinflussen. Haben viele aus meinen „Circles“ einen Beitrag „pluseinst“, wird mir dies, wenn ich nach diesem Suche (und mit meinem Google-Profil angemeldet bin), auf der Suchergebnisseite angezeigt werden – und der Artikel weiter oben in den Resultaten stehen.

Was bedeutet das nun?

Fall Facebook:Wird ein Artikel, eine Website etc. häufig „geliked“, erhält man a) viele Seitenaufrufe und b) viele Backlinks, also Verweise. Daraus folgt, dass betroffene Seite einen höheren Pagerank erhält und weiter oben bei den Suchtreffern aufgeführt.

Fall Google+: Im Prinzip nichts anderes, nur dass man nicht nur bei der Google-Suche „nach oben rutscht“, weil man viel Traffic auf der eigenen Seite hat, sondern auch deshalb, weil die Empfehlungsfunktion, „+1“, direkten Einfluss auf das Ranking hat.

Es wird spannend werden, wie es weitergehen wird. Sollte der Hype um Google+ nicht zusammenbrechen, der gerade in der Blogosphäre tobt, sollten die Userzahlen weiter so rasch ansteigen, könnte Google+ Facebook tatsächlich bald eine Konkurrenz sein. Auch wird die Entwicklung interessant sein, inwieweit die „Like-Kultur“ in Zukunft Auswirkungen zum einen darauf haben wird, wie wir uns unsere Informationen zusammenstellen und zum anderen dies die Art und Weise sowie Qualität von eben jeden Informationen und Artikeln beeinflussen wird.

Es bleibt zu hoffen, dass Neil Strauss in diesem Punkt nicht Recht behält und folgende Bemerkung nur eine sarkastische Zusammenfassung seines Gedankens bleibt:

„And please, despite what I said earlier, do not +1, tweet, StumbleUpon, like or comment on this article. You’ll only be making it worse.“

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Von Wikileaks und Freiheitsrechten

•Juli 11, 2011 • Schreibe einen Kommentar

Es ist ruhig geworden um Julian Assange, den Kopf von Wikleaks. Seit einem halben Jahr sitzt er nun in Norfolk, England. Ausgestattet mit einer elektronischen Fußfessel muss er sich jeden Tag bei der örtlichen Polizeibehörde melden. Anfang Juli konnte man ihn mit dem slowenischen Philosophen Slavoj Žižek und Democracy Now-Moderatorin Amy Goodman in London über Wikileaks und Informationsfreiheit debattieren hören. Und: Wikileaks hat die EU-Kommission beauftragt zu untersuchen, ob das Vorgehen der Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa rechtens war, als sie im Zuge der Enthüllungen Spenden nicht an Wikileaks weiterleiteten. In der Klage heißt es, es habe sich um eine „“ungesetzliche, US-beeinflusste Finanzblockade“ gehandelt (mehr dazu auf heise.de).

Wikileaks und die USA

Beide involvierten Akteure stehen hierbei symbolisch für zwei konkurrierende Parteien. Wikileaks versteht sich als Anwalt für Informations- und Pressefreiheit. Auch wenn das Verhalten Assanges stellenweise selbstherrlich wirken mag, muss man ihm doch das Verfolgen eines Ideals unterstellen. Massenmediale Aufmerksamkeit erfuhr das Whistleblower-Forum, als es im April 2010 ein Video veröffentlichte, welches zeigte, wie ein US-amerikanischer Kampfhubschrauber in Bagdad unschuldige Zivilisten erschoss. Im selben Jahr folgten die Veröffentlichungen der Afghan War Diaries, der Iraq War Diaries sowie der Botschaftsdepeschen.

Es mag also nicht verwundern, dass sich die USA sich auf den Fuß getreten fühlen. Die Enthüllungen werden als unzulässig dargestellt, Assange als Bedrohung der nationalen Sicherheit deklariert und auf die Fahndungsliste von Interpol gesetzt. Kein Wunder: Was Wikileaks erreicht ist aufzuzeigen, dass es in Zeiten des Internets für Regierungen nicht mehr möglich ist, ihre Aktionen verschlossen zu halten. Und wer nimmt schon freiwillig und wohlwollend einen Kontroll- und Machtverlust hin?

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser … ?

Sandro Gaycken schildert auf zeit.de, wie die USA – zumindest innerhalb ihres Landes – für mehr Überwachung sorgen wollen. Öffentlich kundgetan wird das nicht, abwegig jedoch auch nicht: Das Calea-Gesetz sieht vor, dass es „Hintertüren“ in Soft- und Hardwareprodukten geben muss. Diese können dann bei Bedarf zur Strafverfolgung genutzt werden. Dass die USA recht datenhungrig sind, mag niemanden überraschen angesichts PATRIOT Act, Überwachungen am Flughafen SWIFT-Abkommen und Co. Man muss aber gar nicht erst über den großen Teich schauen, um Überachungsmaßnahmen und -vorschläge zu finden.

Allen voran geht die Vorratsdatenspeicherung. Gerade ist sich Schwarz-Gelb nicht einig, wie man diese künftig weiterzuführen gedenkt – Fakt bleibt jedoch, dass Telekommunikationsdaten eines jeden zumindest befristet gespeichert werden. Außerdem sieht ein Vorschlag der Regierung vor, anonyme Geldtransaktionen per Internet zu überwachen. Hiervon wären bspw. auch Bitcoins betroffen. Dahinter steckt die Idee, Geldwäschern einen Riegel vorzuschieben.

Was haben diese Maßnahmen, ob aus Übersee oder hier, gemein? Alle dienen der Maximierung der Sicherheit – und der Minimierung der Rechte des Einzelnen. Will man pilzbefallene Bäume entfernen, kann man selbstverständlich den kompletten Wald abholzen und wird sein Ziel erreichen. Nur gilt es, hier ein Stichwort im Kopf zu behalten: Verhältnismäßigkeit. Ob die Vorratsdatenspeicherung zu einer höheren Erfolgsquote bei der Verbrechensbekämpung führt oder nicht, lässt sich streiten (und im Detail auf netzpolitik.org nachlesen).

Warum lassen sich dennoch Gesetze wie das die Vorratsdatenspeicherung betreffend gut in der Bevölkerung verkaufen? Weil Politiker nicht müde werden, das Internet als „rechtsfreien Raum“ zu bezeichnen. Dass das gelinde gesagt Quatsch ist, scheint sich noch nicht überall durchgesetzt zu haben. Die Rechtsverfolgung ist im Netz mancherorts schwerer durchzuführen, die deutschen Gesetze gelten jedoch für den in Deutschland sitzenden Serverbetreiber ebenso wie für den in Deutschland sitzenden Bankchef.

Sicherheit vs. Freiheitsrechte

Anstatt jedoch das Internet als der Kontrolle zu unterwerfendes, schwer zu greifendes Etwas darzustellen, müsste es Aufgabe der Politik sein, Aufklärungsarbeit zu leisten. Eine hunderprozentige Sicherheit wird es nie geben, auch mit „gläsernem Bürger“ und „Big Brother is watching You“ nicht. Wer einen Weg finden will, Sicherheitsmaßnahmen zu umgehen, wird immer einen finden. Das trifft auf Terrorismus zu wie auf Geldwäsche. Dass dieser Gedanke jedoch auch auf oberster politischer Ebene ankommt, ist wohl mehr Wunsch als genährte Hoffnung.

Bitte ein Bitcoin – eine Idee, die (noch nicht) Gold-wert ist

•Juni 27, 2011 • 1 Kommentar

Freiheitliche Währung. Bitcoins. Weltuntergang. Bitcoins. Universell einsetzbar. Bitcoins. Wer sich der Tage auf netzpolitischen Seiten verirrt, kommt kaum umhin, nicht von Bitcoins zu hören. Vor kurzem wurde auch der Spiegel darauf aufmerksam. Zwar gibt es zahlreiche Möglichkeiten, sich über Bitcoins zu informieren – hier sei aber in Kürze zusammengestellt, von was genau eigentlich die Rede ist.

Big in Japan

Angefangen hat es mit einem Aufsatz eines Japaners, Satoshi Nakamoto. Die Beschreibung dieses Autors mag ein wenig spärlich daherkommen, das Problem ist, dass es darüber hinaus nichts Gesichterteszu ihm gibt. So steht noch nicht einmal zu 100% fest, ob er überhaupt Japaner ist oder der Name nur ein Pseudonym ist. Eben jene mysteriöse Person entwickelte zum einen die Idee hinter Bitcoin und lieferte sogleich einen Algorithmus, um seiner Idee die praktische Nachfolge zu erleichtern: Theoretisch kann sich jeder Bitcoins „erschaffen“. Theoretisch.

Nicht jedermann ist Miner

Zunächst lädt man sich die benötigte Software bei den Entwicklern herunter ,die nicht mal 6mb groß ist. Ein Anmelden ist nicht nötig, nicht vorhanden und nicht gewollt. Beim Start des Programms wird automatisch eine für diesen Client einmalige Adresse erstellt, mit der man sich im Zahlungsverkehr identifiziert. Dann geht es ans „Minen“ (ausgesprochen: [mainen]), also ans Erschaffen der Bitcoins. Diese werden in Blöcken erzeugt, indem eine durch den Algorithmus aufgestellte Aufgabe gelöst werden muss: das Herausfinden der Prüfsumme (auch Hash-Wert genannt) des Blocks. Um den nun Interessierten die „$$“-Zeichen aus den Augen zu wischen: So leicht es nun doch nicht. Berechnet wird die Prüfsumme des neuen Blocks aus der Prüfsumme des vorherigen, aller aktuell ausgeführten Transaktionen mit Bitcoins sowie einer für diese Aufgabe generierte Sicherheitsnummer. Klingt verworren – ist es auch, sonst würde jeder „minen“. Es wird vorstellbar, wie viel Aufwand fürs Lösen aufgewendet werden muss, wenn man weiß, dass man mit einem normalen Laptop oder Rechner an die fünf Jahre bräuchte, um einen Block zu lösen. Alle Bitcoin erzeugenden Rechner sind via Internet an ein Netzwerk angeschlossen. Per Design kann es nur alle 10 Minuten geschehen, dass jemand die richtige Prüfsumme errechnet. Mit jedem neuen Rechner, der jedoch angeschlossen wird, ist es wahrscheinlicher, dass die Prüfsumme in weniger als 10 Minuten herausgefunden werden kann. Daher wird in regelmäßigen Abschnitten der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe angehoben, um das Zeitlimit aufrecht zu erhalten. Wer die Aufgabe löst, erhält den Block, der derzeit 50 Bitcoins enthält. Diese Anzahl wird ungefähr alle vier Jahre halbiert werden, sodass im Jahre 2140 (sollte sich das System halten) 21 Millionen Bitcoins im Umlauf sein werden und keine neuen mehr erzeugt werden können. (Derzeit sind es 6,678 Millionen Bitcoins.)

Für Otto-Normal-User ist es daher ökonomisch betrachet ein mieses Geschäft, fünf Jahre lang für Strom zu sorgen und zu bezahlen, nur um am Ende ein paar Bitcoins zu erhalten. Daher lohnt es sich nur für jene, für die „Miner“, die High-High-High-End-Maschinen im Keller mit Wasserkühlung haben . Oder man mietet sich dementsprechende Geräte. Oder kauft sie sich. Hierzu bieten sich einem zwei Möglichkeiten:

  1. Auf der eigens dafür eingerichteten Börse Mt Gox in Japan können Bitcoins dem aktuellen Marktpreis entsprechend erlangt werden (dieser ist hier nachzusehen). Interessant: Der Wert ist von ca. 3$ im April auf ca. 17$ (Stand: 27.06.2011) angestiegen.
  2. Auf BitcoinMarket können Interessent und Verkäufer direkt in Kontakt treten. Ersterer macht ein Angebot und überweist, bei Zustimmung des Bitcoin-Inhabers, an diesen per Überweisung oder PayPal. Nachteil: Es bleibt bei dem Vertrauensvorschuss, der andere händige bei getätigter Zahlung dann bitte auch die ersehnte Ware aus.

Bitcoins im Alltag

Einsetzen kann man seine Bitcoins bereits, in dieser ständig aktualisierten Übersicht findet sich eine Liste aller Anlaufstellen ,v.a.  – wenn wunderts – software- und webbezogene Angebote. Nehmen wir also einmal an, man wollte sich z.B bei Wuala (einer Alternative zu Dropbox) mehr Speicher hinzukaufen. Dazu benötigt man nichts weiter als die Adresse des Empfängers, gibt den Betrag an und klickt auf „Überweisen“ – schon haben die Bitcoins den Besitzer gewechselt. Klingt nicht so revolutionär? Eigentlich nicht, nein. Nur das in diesem all keine Bank, PayPal oder sonstige Mittler zwischengeschaltet sind. Das „digitale“ Geld liegt stets bei mir, auf meinem Konto, das auf meinem Rechner ist (gespeichert in einer Datei, wallet.dat). Es mag als Vorteil erscheinen, dass nur ich über mein Vermögen herrsche, dies ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Gelangt jemand (z.B. per Trojaner) an die Datei – Bitcoins ade. Verabschiedet sich meine Festplatte – Bitcoins ade. Es ist daher ratsam, die wallet.dat auf einem USB-Stick auszulagern und am besten noch zu verschlüsseln.

Böse Bitcoins

Dass Bitcoins nur zwischen A und B ausgetauscht werden, ohne dass ein C zwischengeschaltet ist, dürfte allen Netzliberalen einen Grund zur Freude geben. Dass Staaten, Behörden und Banken das anders sehen, mag jedoch auch nicht verwundern. Blogger und Businessman Jason Calacanis sieht in Bitcoins „das gefährlichste Projekt, dass wir je gesehen haben“ und ist sich sicher, dass Regierungen in den nächsten 12 bis 18 Monaten Bitcoins verbieten werden. Dafür dürfte es zwei Gründe geben:

  1. Welcher Staat sieht es gerne, wenn ihm die Kontrolle (über seine Bürger) entzogen wird?
  2. A ist nicht immer Wuala und B bin nicht immer ich. Bedenklich wird es, wenn mit Bitcoins ohne Probleme Drogen, Waffenschmuggel, Geldwäsche, Kinderpornografie und Co. finanziert werden können.

Zu 100% transparent sind die Transaktionsströme jedoch nicht. Transaktionen mit Bitcoins werden, wie beschrieben, in Blöcken getätigt. Nach der Entstehung eines Blocks werden sämliche Transaktionen, im „Hash-Baum“, also der Prüfsumme des Blocks, gespeichert. Dazu wird der  Da ebenso auch im Hash eines Blocks der Hash des vorherigen Blocks und damit auch dessen getätigte Transaktionen gespeichert ist und in dem Block wiederum der Hash des Vorgängerblocks und dessen getätigte Transaktionen usw. usf. gespeichert sind, lassen sich theorisch alle Aktionen mit Bitcoins chronologisch nachvollziehen. Dies alles wird in einer Datei gespeichert, die sich jeder, der mit der Software arbeitet, automatisch bezieht.Dadurch lässt sich feststellen, welche Adresse zu welchem Zeitpunkt wie viel Bitcoins besessen hat.

A little bit of gold

Stellt sich noch die Frage, ob in einem Jahr noch jemand von Bitcoins spricht oder man sich in 50 Jahren wundert, dass Oma und Opa noch mit Euros und Dollars ihre Rechnungen bezahlt haben. Interessant ist auch, wie den Bitcoins Wert beigemessen wird – nämlich so wie Gold. Gold an sich hat keinen praktischen Wert. Man kann damit kein Haus bauen, man kann es nicht essen und nicht die Zähne putzen. Warum ist Gold also von Wert?

  1. Gold ist rar, selten, begrenzt: Würde man beim Einkaufen versuchen, den Händler mit einem Stück Holz versuchen, ihn zum Verkauf zu animieren, ginge man wohl wieder mit leeren Händen nach Hause. Schließlich könnte sich jeder seinen kleinen Wald anlegen – die Währung wäre inflationär. Bitcoins sind ebenso begrenzt verfügbar. Maximal 21 Millionen wird es geben.
  2. In gold we trust: Würden wir uns einigen, dass Gold von keinem Nutzen ist, da wir damit nichts anfangen können – wer würde dann noch Gold wollen? Das tun wir aber nicht. Stattdessen investieren wir in Krisenzeiten ins Edelmetall. Warum? Weil es sich als vertrauenswürdiges Zahlungsmittel und Einlage etabliert hat. Wir wissen: Lege ich dem Händler einen Goldbarren auf den Tisch, kann ich den Laden kaufen.

Und das müssen die Bitcoins erreichen, wenn sie sich durchsetzen wollen. Momentan fühlt sich dieses System eher grauzonig als goldwertig an. Fraglich ist, ob Bitcoins Akzeptanz erfahren werden. Die Struktur des Internets erscheint mehr als komplex, da verwundert es nicht, dass viele dem E-Commerce wenig Vertrauen entgegenbringen. Wie das geschehen kann, soll an anderer Stelle diskutiert werden.

Spannend wird sein, wie es weitergeht. Viel Rauch um Nichts oder „the start of something new“?

Wikipedia als Weltkulturerbe?

•Juni 6, 2011 • Schreibe einen Kommentar

Was haben die Pyramiden von Gizeh, die Chinesische Mauer und das Kloster Maulbronn, was Wikipedia nicht hat? Genau, den Status eines Weltkulturerbes. Doch das soll sich auf Wunsch der deutschen Wikimedia, dem deutschen Träger der Wikipedia-Stiftung, ändern. Nun mag die erste Reaktion darauf Gelächter, Unverständnis oder Kopfschütteln sein – was haben sich also die Köpfe hinter dieser Aktion dabei gedacht?

Warum laut Wikimedia Wikipedia Weltkulturerbe werden sollte

Einige Antworten auf oft gestellte Fragen lassen sich auf deren Seite nachlesen. Bei den drei oben genannten – bereits etablierten – Weltkulturerben handelt es sich um Bauwerke, architektonische Leistungen ihrer Zeit.

Was genau soll denn [an Wikipedia] geschützt werden?

Die größte sich ständig weiter entwickelnde Wissenssammlung, an der jeder teilnehmen und mitarbeiten kann. Und der Freie Zugang dazu, frei von Werbung und die Freie Nutzung.

Aha. Unter Schutz soll also nichts gestellt werden, dass man quasi „mit Händen greifen“ kann. Mehr geht es darum, dass Prinzip „Wiki“ unter Schutz stellen zu lassen. Der Clou: Die UNESCO führt bereits eine Liste mit immateriellen Kulturerben. Darunter fallen z.B. „der argentinische und uruguayische Tango, die tibetische Oper in China und die Manden Charta in Mali, die als älteste Verfassung der Welt gilt.“ Das scheint den Wikimedianer jedoch nicht genug zu sein, wollen sie durch die Anerkennung als „richtiges“ Weltkulturerbe

  • Wertschätzung für Wikipedianer
  • erhöhte Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit
  • Information und Aufklärung über Freies Wissen
  • Sensibilisierung und Bewußtsein für den richtigen und kritischen Umgang mit Freiem Wissen
  • Freies Wissen und Zugang zu Freiem Wissen schützen

erreichen.

Erfüllt Wikipedia die UNESCO-Kriterien?

Laut UNESCO muss das als Weltkulturerbe vorgeschlagene Projekt mindestens eines von zehn Kriterien erfüllen. Klar ist, dass Wikipedia wenig Chancen besitzt, für seine „überragende Naturerscheinungen oder Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung“ (Kriterium VII) anerkannt zu werden. Allerdings ist schon der erste Punkt nicht eindeutig auf Kultur- und Naturdenkmäler beschränkt, lässt sich doch trefflich darüber streiten, was nun unter „ein[em] Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft“ zu verstehen ist.

Was die Wikipedia ist …

So ist es doch erstaunlich, was Jimmy Wales gelungen ist. Die Idee des Wiki geht zwar nicht auf ihn zurück, dieses wurde 1995 von Ward Cunningham ins Leben gerufen, der damit the simplest online database that could possibly work“ schaffen wollte, um damit jedem die Möglichkeit geben wollte, schnell den Inhalt einer Website bearbeiten zu können. Was man Jimmy Wales anrechnen muss ist die Popularisierung und Verbreitung des Konzepts. Auf der englischsprachigen Wikipedia-Seite finden sich aktuell 3.649.780 Artikel, der deutsche Vertreter liegt international an zweiter Stelle mit 1.239.517 Beiträgen. 2001, als das Projekt ins Leben gerufen wurde, hätte sich wohl niemand gedacht, dass zehn Jahre später nahezu jeder Wikipedia kennt. Eine in diesem Jahr für den Branchenverband BITKOM durchgeführte Studie zeigte, dass 93 Prozent der Internetnutzer die Online-Enzyklopädie ein Begriff ist.

… und ausmacht

Das Prinzip dahinter dürfte nahezu ebenso bekannt sein: Jeder kann jeden Artikel bearbeiten. Um die Verlässlichkeit zu verbessern und Vandailsmus vorzubeugen, gibt es Admins, die geänderte Artikel überprüfen und ggf. rückgängig machen. Dies kann theoretisch auch von jedem anderen Benutzer vorgenommen werden, jedoch haben die Admins letztendlich zu entscheiden. Gerade daran entzündet sich Kritik, den Admins wird „Willkür“ und „Arroganz“ vorgeworfen, wenn es um die Bearbeitung von Beiträgen geht.

Darüber hinaus scheiden sich die Geister, was die Verlässlich- und Glaubwürdigkeit von Artikeln angeht. Die einen betonen, dass gerade die Tatsache, dass bei Wikipedia jeder und nicht nur Wissenschaftler dort publizieren können, auch Artikel über beispielsweise kleinere Dörfer entstehen können – darüber wisse der „Lehrer der dortigen Schule, der Heimatforschung als Hobby betreibt, vielleicht besser Bescheid als der Historiker, der dieses Dorf nur als temporäres Quartier der napoleonischen Truppen kennt“. Des Weiteren argumentieren sie mit dem „Gesetz der großen Zahlen“: Gerade bei Beiträgen, die viel Aufmerksamkeit erfahren, würden die niedergeschriebenen Tatsachen von vielen überprüft und so verifiziert werden.

Dagegen betonen die Kritiker, dass bei einer so großen Zahl an Artikeln nicht mehr jeder einzelne überprüft werden könne.

Wikipedia gilt daher auch nicht als wissenschaftliche Quelle, doch wird wohl niemand leugnen, bei Wikipedia solche Dinge nachzuschauen, die man auf die Schnelle in aller Kürze wissen möchte. Interessantes Beispiel: Dies scheint sich schon so sehr durchgesetzt zu haben, dass netzpolitik.org in seinem Artikel zu Wikipedia und dessen Drängen auf den Titel des Weltkulturerbes im Zuge der Aufnahmekriterien nicht auf die Website der UNESCO, sondern auf den Wikipedia-Eintrag dazu verweist.

Kultur in Zeiten des Internets?

Derzeit haben rund zwölfeinhalb Tausend Unterstützer die Petition (digital) unterzeichnet, um so die UNESCO von der Idee zu überzeugen. Allerdings dürften die Chancen nicht allzu hoch sein – offiziell bedarf es eines Mitgliedsstaates der UNESCO, der etwas als Weltkulturerbe vorschlägt. Dessen sind sich vermutlich auch die Wikipedianer bewusst und so darf die Aktion mehr als PR-Kampagne verstanden werden, um das Bewusstsein für und die Bekanntheit von Wikipedia zu stärken.

Interessant ist es dennoch. Was ist in Zeiten des ubiquitären Internets, der starken Vernetzung, der Internetuser als Gemeinschaft kulturell als „wertvoll“ zu bewerten? Großartige Verdienste vergangener Kulturen zeigten sich in Bauten und architektonischen Glanzleistungen. Doch ist eine Idee wie Wikipedia, Wissen im kollektiv für alle und uneingeschränkt zugänglich zu machen, von geringerem Wert? Spannend wird sein, ob das einen Denkanstoß bei den Damen und Herren der UNESCO führen wird.

Anonymous im Netz – wie die Namenslosen sich einen Namen machen

•Mai 23, 2011 • 1 Kommentar

Da jubelt das Herz des Demokratie-Anhängers: Vergangenen Freitag, 20. Mai 2011, wurden die Server der Piratenpartei durch die Staatsanwaltschaft Darmstadt beschlagnahmt (UPDATE: Mittlerweile sind diese wieder online). Hintergrund ist ein Rechtshilfeersuchen aus Frankreich:

Dabei geht es um einen möglichen Angriff auf die IT-Infrastruktur des französischen Stromkonzerns Électricité de France SA (EDF) durch die Hackergruppe Anonymous. Die Netzaktivisten, die angeblich nicht der Partei angehören, sollen dabei einen SSH-Schlüssel auf dem Server der Piratenpartei abgelegt haben, der zum Angriff auf einen öffentlichen Server der EDF hätte verwendet werden können.

(Hervorhebung durch den Verfasser)

Das wäre wohl für jede Partei bitter hinzunehmen, wenn zwei Tage vor einer Bürgerschaftswahl, genauer in Bremen, die Internetinfrastruktur zum Erliegen kommt. Für eine Partei jedoch, die sich „Internet“ groß auf die (Piraten-)Fahne geschrieben hat, gilt das umso mehr. Ob das (negative) Auswirkungen auf das Wahlergebnis der Netzaktivisten haben wird, ist noch ungewiss. Interessanter ist, wer oder was „die Hackergruppe Anonymous“ ist.

Anony-was?

Das – nennen wir es – Kollektiv erlangte auch über das Internet hinaus Bekanntheit, als es Wikileaks im Zuge dessen Veröffentlichung von Botschaftsdepeschen zur Seite stand. U.a. PayPal und MasterCard hatten die Konten von Wikileaks eingefroren, um so den Spendenfluss an die Whistleblower zu unterbinden. Daraufhin legte Anonymous die Website des Kreditkartenunternehmens mit Hilfe einer DDoS-Attacke lahm – Codename „Operation Payback“.

Es war kein Hackerangriff und es ging nicht ums Geld. Der Antrieb der Gruppe war wohl eher politischer Natur.

Was sind die Motive von Anonymous?

Die Ausrichtung Anonymous‘ lässt sich eigentlich nicht fassen. Grund hierfür liegt in der Struktur der Gemeinschaft. Diese bildete sich aus dem 4chan-imageboard, welches bekannt sein dürfte v.a. wegen seines anarchischen Random-Channels „/b/“. Zu Anonymous gehört, wer sich als solcher fühlt. Aus diesem Grunde gibt es keine Führungsspitze und keine klare, formulierte Ideologie.


They are simply a spark but not the fire. There is no control, no leadership, only influence – the influence of thought.

So gesehen kann man nur von einem Kollektiv sprechen, da sie sich selbst nicht als einzelne Akteure, sondern quasi als Kollektivintelligenz, welche durch das Zusammenführen einzelner Ideen und Gedanken etwas Übergeordnetes entstehen lässt, verstehen. Dieses Prinzip spiegelt sich auch in ihrem Auftreten wider. In der Öffentlichkeit tragen die Unterstützer Guy-Fawkes-Masken. Diese sind einer Comicreihe von Alan Moore entnommen, dessen Protagonist sich wiederum auf den englischen Widerstandskämpfer Guy Fawkes beruft. Wie die Comicfigur bleiben die Anonymous-Aktivisten, nun ja, anonym. Das ermutigt wohl jeden, der will, sich einzubringen. Genauer gesagt nicht sich – man muss nicht preisgeben, wer sich hinter der metaphorischen Maske verbirgt, sondern seine (Wert-)Vorstellungen und Ideen. Jeder hat also seine eigene Triebfeder, gut zusammengefasst in einem Comment auf dem Blog der Gruppe:

„[..] what Anonymous is…a collective. While some care about social justice, some care about Scientology, some care about torrent sites, some care about cats, some care about CP [= child pornography, Anm. d. Verfassers] and some care about the lulz. „

Wie kommuniziert Anonymous?

Um sich untereinander auszutauschen, verwenden sie IRC(Internet Relay Chat). Dies ist nicht mehr als ein rudimentäres Chatsytem, welches – anders wie icq und Co. – auf Smileys etc. verzichtet und dem reinen Textaustausch dient. Warum Anonymous gerade darauf zurückgreift, liegt auf der Hand: Eine Registrierung, um am Chat teilnehmen zu können, ist nicht notwendig. Anmelden – Nickname angeben – los gehts. Anders als bei sozialen Netzwerken muss also nichts Persönliches preisgegeben werden. Nun mag man sich fragen: Wie organisieren sie sich? Wer sagt, was getan wird? Wie werden „schwarze Schafe“ ausgemerzt, die versuchen, das System auszunutzen? In einem Interview mit le-bohemien.net erklären deutsche Repräsentanten der Gruppe es so:

Da nicht nachvollziehbar ist, von wem eine Idee stammt, wird ihr Inhalt umso wichtiger. Die kritische Betrachtung der User wirkt wie natürliche Selektion. Schwachsinn oder Missbrauchsversuche finden einfach nicht ausreichend Zuspruch. Das ist das Positive daran, dass kein Vorgesetzter bestimmt, welcher Weg gegangen wird.

Was macht Anonymous?

Da es nicht die Anonymous-Aktivisten mit den Handlungsmotiven gibt, lässt sich ein Muster der Aktionen auch nicht genau ausmachen. Neben der „Operation Payback“ gibt es andere Operationen, in denen das Kollektiv denjenigen unter die Arme zu greifen scheint, die dazu selbst nicht in der Lage sind: Als in Tunesien Anfang dieses Jahreswährend der Proteste von der Regierung beauftragte Hacker begannen, von Regime-Gegnern die Passwörter von Facebook und Emailkonten zu phishen, schaltete sich Anonymous dazu und fuhr DDoS-Attacken gegen die Websites des Präsidenten und einiger Minister.

Gleiches taten sie auch bei der „Operation Egypt“: Erneut wurden Regierungs(-nahe)-Websites lahmgelegt, um so seinen Teil dazu beizutragen, die Regime in Nordafrika zu Fall zu bringen und so der Demokratie einen Schritt näher zu kommen.

Das mag bis hierhin nun recht unterstützenswert klingen. Doch Anonymous ist nicht nur ’68er-Bewegung im Internet. Das zeigt der Fall von Jessi Slaugher. Im letzten Jahr machte die damals 11-Jährige auf sich aufmerksam, weil sie in einem mit ihrer Webcam aufgenommenen Video alle „Haters“ aufforderte, sie bitte in Ruhe zu lassen. Dass es niemanden gab, der sie – zu diesem Zeitpunkt – „gehatet“ hätte, war ihr wohl nicht bewusst. Das Video fand Zugang in die 4chan-Foren, wo es sich rasch zu einem Internet-Meme aufblähte. Anonymous fand daraufhin persönliche Daten von Jessi Slaughter wie Adresse und Telefonnummer heraus, was zur Folge hatte, dass sie Todesdrohungen erhielt und unter Polizeischutz gestellt wurde.

Hier zeigt sich also die hässliche Seite der Anonymous-Maske. Auch wenn das Mädchen nicht ganz unschuldig ist – wer sich gerne beschimpfen lässt, dem sei das Video nahegelegt – rechtfertigt dies nicht das „trolling for the lulz“, bei dem das Leben einer Person öffentlich gemacht und ins Lächerliche gezogen wird.

Anonymous – sind das jetzt die Guten oder die Bösen?

Das Internet ist prädestiniert für eine Kultur der Anonymität. Wer jedoch nichts von sich Preis gibt, wird keinen Anschluss finden, so z.B. in sozialen Netzwerken. Es bedarf zumindest eines festen Nicknames, unter dem man operiert, sich durch Blogs und Twitter eine (Zweit-)Identität aufbaut, da dies der einzige Aufhänger ist, um eine Persönlichkeit daran festzumachen. Doch das zählt nicht bei Anonymous. Hier kennt man sich nicht untereinander und weiß doch, dass man zu etwas zugehörig ist.

Durch diesen basisdemokratischen Aufbau können Dinge entstehen, die – wenn dort Regularien greifen würden – sich sonst nie hätten entfalten können. Zudem sorgt diese Ungebundenheit für Flexibilität. Wäre die Gruppe nicht kollektiv, wären DDoS-Angriffe auch nicht in dem Maße durchführbar, denn diese sind nach deutschem Recht strafbar und können bis zu drei Jahre Freiheitsstraße nach sich ziehen. Ob diese Angriffe nun zu vertreten oder aber abzulehnen sind, soll hier nicht diskutiert werden.

Fakt ist, dass Anonymous eine eingeschworene Gemeinschaft ist, in der Persönlichkeiten zu vernachlässigen sind und  das große Ganze im Mittelpunkt steht. Als demokratisches Instrument, welches sich für Meinungsfreiheit weltweit einsetzt und mit Sitzblockaden 2.0 (den DDoS-Attacken) versucht, die Protestkultur internetfähig zu machen, eignet es sich – und steht sich doch selbst im Weg.

Die Ware „Nutzerdaten“ oder: Warum nicht alles an „Gefällt mir“ gefällt

•Mai 16, 2011 • 2 Kommentare

Facebook hat Angst. Wie kann man es sich sonst erklären, dass der blau-weiße Social-Network-Riese die amerikanische PR-Agentur Burson-Marsteller beauftragte, gegen Google eine Schmutzkampagne zu fahren? Genauer gesagt sollte Googles Dienst „Social Circle“ angeprangert werden,

der es Nutzern ermöglicht, in einem Google-Konto die eigenen Profilseiten bei Facebook, Flickr, Twitter und anderen Netzwerken anzugeben. Nach der Eingabe dieser Informationen durch die Nutzer prüft Google automatisch die öffentlich einsehbaren Freundschaftsverbindungen und schlägt dem Nutzer in den Suchergebnissen dann bevorzugt Treffer vor, die eine Person aus ihrem Umfeld in irgendeiner Form öffentlich als interessant deklariert hat.

So schreibt es der Spiegel. Wir halten also fest: Facebook versuchte über Umwege, Google für seine Datenkrakerei zu kritisieren. Facebook, Facebook – warum denkt man gerade bei diesem Unternehmen an „Wir wollen alles von dir wissen!“? Möglicherweise hängt es ja damit zusammen, dass Facebook wirklich so viel Informationen sammelt wie möglich, außer man schränkt dies in den Einstellungen ein.

Verwunderswert ist also, dass Facebook durch die Kampagne versuchte, einen möglichen Konkurrenten bereits frühzeitig zu diskreditieren. Nur: Wer hätte gedacht, dass es im Bereich „Social Network“ für den Marktführer einen ernstzunehmenden Mitstreiter gibt? Mit rund 500 Millionen angemeldeten Nutzern scheint (momentan) das Feld klar abgesteckt zu sein. Das lässt die Vermutung zu, dass Facebook zu keinem Preis riskieren möchte, seine marktbeherrschende Rolle zu verlieren. Springen Nutzer ab, gibt es weniger Nutzerdaten, was wiederum weniger personalisierte Werbung zur Folge hat.

Vorteile von Behavioural Targeting

Natürlich ist daran nicht alles schlecht. Anstatt mit Anzeigen für Produkte überhäuft zu werden, mit denen man rein gar nichts am Hut hat, wird man so interessensspezifisch beworben. Das könnte das schlechte Image der Werbung verbessern – von „nervig“ hin zu „informativ“.

Nachteile von Behavioural Targeting

Das dabei nicht alles glänzt, liegt wohl auch auf der Hand. Personalisierte Werbung schön und gut. Wer will jedoch seine persönlichen Daten im Internet wissen, dass nicht gerade vor Transparenz strotzt? Mögen Facebook et al. ihren Nutzern noch so sehr versprechen, keine Daten an Dritte weiterzugeben – die Theorie liest sich meist besser als die Praxis, in der dann ab und zu, komplett Ausversehen natürlich, dann doch mal die ein oder andere sensible Information nach außen gerät.

Und das bedeutet was für den Umgang mit dem Internet?

Wer sich im Internet bewegt, sollte dies also nicht unüberlegt tun. Dass beispielsweise Personaler bei Bewerbungen auch mal den Namen der Person bei Google eingeben, dürfte sich rumgesprochen haben (oder tun sie es nicht?). Die Konsequenz, dass ein Profilbild bei Facebook, auf dem man nackt mit Bierflasche zu sehen ist, sich möglicherweise negativ auswirken könnte, dürfte also auf der Hand liegen. Weniger bewusst dürfte den meisten sein, dass man mit jedem „Like“- bzw. „Gefällt-mir“-Button-Klick seine Spuren bei Facebook eindrücklicher gestaltet. Verwendet man diese Funktion häufig, ließe sich auch theoretisch ein Bewegungsprofil erstellen – wer war wann wo und hat was geklickt?

Wem das klar ist, mag ungehindert fortfahren. Jeder andere sollte jedoch abwägen zwischen Datenschutz und Offenheit: Es mag ja durchaus interessant (für andere) sein, was man denn so „like-t“ und mit „Gefällt mir“ versieht. Im Hintergrund steht jedoch ein Unternehmen und kein gemeinnütziger Verein, das schließlich auch seine Brötchen verdienen möchte und sich eifrig notiert, ob der Kunde lieber Sesam- oder Mohnbrötchen ist.

Wenn nicht mit Kreditkarte – wie zahle ich dann?

•Mai 11, 2011 • Schreibe einen Kommentar

Was schreckt die Kunden davon ab, mit Kreditkarte zu zahlen?

Dem Internet mangelt es an Seriosität. Das mag zum einen ein Problem der Struktur selbst sein. Es lebt von Hypertext und –media. Gerade diese Vernetzung untereinander sorgt für ein komplexes Miteinander, indem sich Grenzen zum Teil nur schwer ziehen lassen. Zum einen zeigen Ereignisse wie der Hackerangriff auf das Playstation Network, dass auch vermeintliche „Big Player“, welchen man doch zugetraut hätte, „vernünftige“ Sicherheitsmaßnahmen auffahren zu können, nicht vor Eingriffen gefeit sind. Auch Dienste wie twitter und Facebook müssen eingestehen, Opfer von Hackern gewesen zu sein. Nun muss man aber unterscheiden: Im Falle des Mikroblogging-Hosts wurde man beim Klicken eines infizierten Tweets beispielsweise auf eine Pornoseite weitergeleitet. Bei der Social-Network-Plattform machte ein Wurm die Runde, der versprach: „WOW Jetzt kannst du sehen wer sich dein Profil ansieht!“ Diese Funktion gibt es bei Facebook nicht, klickt man darauf, verschickt sich der Wurm automatisch an die (Facebook-)Freunde des Benutzers. Im Falle des Angriffs auf das Playstation Network jedoch konnte Sony nicht ausschließen, dass auch Kreditkartendaten der User in die Hände der Angreifer gelangten. Und das ist der Punkt – geht es ums Geld, wird man empfindlich.

Solche Vorfälle stärken sicher nicht das Vertrauen und führen dazu, dass Kunden bereitwillig ihre Bankdaten an Firmen im Internet weitergeben, um dort dann einkaufen zu können.

Wie gewährleistet man also Seriosität, um Leute zu überzeugen, es sei sicher, über diesen Kanal seine Einkäufe zu tätigen?

Diese Frage stellt sich auch die Online-Ausgabe der Zeit.

Der „Klassiker“ ist nach wie vor die Kreditkarte. Hier in Deutschland ist sie längst nicht so weit verbreitet wie in den USA (was vermutlich daran liegt, dass im Alltag hierzulande mehr mit der EC-Karte bezahlt wird), im Internet aber Zahlungsmittel Nr. 1.

Hat man keine solche oder ist der Umgang mit dieser zu unsicher, gibt es eine andere Möglichkeit. Anstatt bei jedem Online-Shop mit Kreditkarte zu zahlen, richtet man sich ein Konto bei einem – sagen wir großen, seriösen – Unternehmen ein. Über dieses zahlt man nun bei den Online-Shops. Der Vorteil hierbei: Das Unternehmen trägt die Verantwortung, sollte beispielsweise die Transaktion nicht zu stande kommen.

Zwei Varianten, ohne Kreditkarte im Internet zahlen zu können:

PayPal, ein Dienst, der 2002 von Ebay erworben wurde, bietet Kunden an, Geld von einem Girokonto an PayPal zu überweisen oder per Lastschriftverfahren abbuchen zu lassen. Damit ist das eigene PayPal-Konto aufgeladen und man kann seine Einkäufe starten (eine Übersicht der Online-Shops, die PayPal in Deutschland unterstützen, findet sich hier).

Einen ähnlichen Weg geht Amazon. Über „Bezahlen über Amazon“ bietet es Unternehmen an, den Service auf ihrer Seite einzubinden. Kunden brauchen dann nur noch ein Konto bei Amazon. Hierüber erfolgt die Abbuchung, der Einkauf aber auf der Seite, die „Bezahlen über Amazon“ unterstützen. Der Vorteil für den Kunden: Sollte ein Unternehmen, welches an diesem Service teilnimmt, die bestellte Ware nicht liefern, greift Amazons „A-bis-Z-Garantie“ und erstattet entstandene Kosten.

Möglichkeiten gibt es also. Gerade „Bezahlen über Amazon“ wird sich beweisen müssen, ob es sich verbreitet oder nicht. Die Chancen stehen jedoch gut, hat sich Amazon doch auch gerade bei Älteren durchgesetzt, die sonst eher skeptisch und vorsichtig sind, was das Internet angeht.